Vita

Benjamin Scheuer wurde 1987 bei Hamburg geboren. Von 2006 bis 2011 absolvierte er den Diplomstudiengang Komposition an der HfMT Hamburg bei Fredrik Schwenk, es folgte ein Aufbaustudium bei Wolfgang Rihm an der HfM Karlsruhe. Seit diesem Jahr promoviert er an der MH Freiburg über zeitgenössisches Musiktheater.

Seine Musik spielt mit ironischen und theatralischen Elementen. Alltagsgegenstände und Spielzeuge kommen genauso zum Einsatz wie lo-fi Zuspielungen, die Harmonik passt sich oft mit Mikrotönen an diese Klangsphäre an.

Schon im Jahr 2009 wurde er als young composer in residence zu den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker eingeladen, seit dem selben Jahr war er auch Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Seine Projekte haben oft interdisziplinären Charakter, sind in den verschiedensten musikalischen Gattungen anzusiedeln und wurden in vielen Ländern präsentiert.

In seinem Musiktheater "Autobus S" (2008) baut er diverse Fragmente der "Exercises de Style" von Raymond Queneau zu einer wild ausartenden Collage und lässt großen Freiraum für den Regisseur. In der Oper "Beyond the Pale", an der er im Rahmen eines Stipendiums von Aldeburgh Music (England) seit 2012 arbeitet, folgt er dagegen einer linearen narrativen Struktur, um den schwarzen Humor von Tom Swift (Libretto) zu unterstützen. Mit dem spanischen Choreographen Iván Pérez entstand das Tanztheater "pineapple" (2012), welches von 25 Tänzer und Musikern des orkest de ereprijs auf einer Tournee durch Spanien, Deutschland Holland präsentiert wurde. Benjamin Scheuers am größten besetze Komposition ist wohl die von den Niedersächsischen Musiktagen beauftragte Raumkomposition "Zeit-Raum", die 2011 im Stadion von Hannover 96 von 600 Musikern zur Aufführung gebracht wurde. Auch im Bereich der geistlichen Musik war er schon tätig: Die 2012 entstandene abendfüllende "Missa - stilles Geschrei" kombiniert die lateinische Messliturgie mit Gedichten von Dorothee Sölle. Im Musikvermittlungsbereich ermöglichte ihm der mit 10.000 Euro dotierte Krista und Rüdiger Warnke-Preis die Durchführung eines experimentellen musiktheatralischen Projekts mit einer Schulklasse und Senioren.

Für das europäische Ulysses-Programm entstanden die "absurden apparate" (2013) für großes Ensemble mit Sampler und Zuspielungen, die in Utrecht, Royaumont und im ZKM Karlsruhe von der Internationalen Ensemble Modern Akademie aufgeführt wurden. 2014 ist das Stück für den Gaudeamus Preis nominiert und wird vom Asko|Schönberg-Ensemble wiederaufgeführt. In diesem Jahr erklingt auch das vom Tanglewood Music Centre beauftragte "voices" für 2 Bläserquintette mit Zuspielungen zum ersten Mal.

Benjamin Scheuer ist Gründungsmitglied des „Musiker ohne Grenzen e.V.“. Seit August 2008 fuhr er mehrmals nach Guayaquil, Ecuador, wo er in einem sozialen Brennpunkt lebte und ehrenamtlich Musikunterricht gab. Für 2015 plant er ein großes Musiktheaterprojekt mit der Musikschule.